„Ich bin ein schlechter Einschläfer“, sagt der Zaubermann, und ist zwei Minuten später eingeschlafen.
Ich kann das wirklich nicht bestätigen. Egal um welche Tages- oder Nachtzeit, dieser Mann kann einfach immer schlafen. Zumindest wenn ich dabei bin.
Manchmal, wenn ich es mir mit meinem Laptop im Bett gemĂźtlich gemacht habe um von dort aus zu arbeiten, kommt er vorbei, legt sich neben mich, macht eine halbe Stunde einen Power-Nap und geht wieder.  Wann immer wir irgendwo zusammen liegen und er mich in den Arm nimmt, schläft er kurz darauf ein – selbst wenn es knallhell im Zimmer ist, und er fĂźnf Minuten vorher noch vĂśllig in Action war.
Als jemand der dreieinhalb Jahre stressbedingt Ăźberhaupt nicht schlafen konnte, fasziniert mich das sehr.
FrĂźher, als wir uns noch nicht jeden Tag gesehen haben, und ich darum jede Minute mit ihm umso mehr auskosten und nutzen wollte, fand ich es blĂśd, wenn er beim Kuscheln auf dem Sofa einschlief. Es kam mir vor, als wĂźrden wir dadurch wertvolle Zeit verlieren, sie verschwenden.
Bis er irgendwann zu mir sagte:
„Bei dir ist der einzige Ort, an dem ich abschalten und zur Ruhe kommen kann. Du bist mein Anker, meine Oase, in der ich mal kurz Luft holen kann.“
Seitdem bin ich dankbar und freue mich, wenn er meine Nähe sucht, um Entspannung und Ruhe zu finden. Und ich finde sie umgekehrt auch bei ihm.
Ich schlafe zwar nicht sofort ein, aber seine Arme sind der sicherste Ort der Welt fĂźr mich. Die zarte Kuhle neben seinen Bauchmuskeln zu streicheln, wirkt wie eine beruhigende Mediation auf mich.
Bei ihm fährt mein Nervensystem sofort runter und entspannt sich, und ich kann endlich mal einfach nur im Hier und Jetzt sein. Das unentwegte Plappern in meinem Kopf verstummt, wenn er mich festhält. Pause. Ruhe.
Was fĂźr ein Geschenk.
Es wird so oft suggeriert, dass es umso bedeutsamer ist, je spannender es ist und je aufgeregter wir in der Gegenwart eines Anderen sind.
FĂźr mich gibt es, vor allem nach den schlimmen letzten Jahren,  kein grĂśĂeres Geschenk, als mich so sicher zu fĂźhlen, dass ich innerliche Ruhe finde bei einem anderen Menschen. Ankommen kann. Mich fallen lassen kann. Und einfach mal nichts mehr tun muss.
Wir sind eine Insel. đď¸
